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Tricks und Tipps
20.02.2026 09:00

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Brauchen wir überhaupt noch den Flugmodus?

Nächste Woche reise ich zur MWC 2026 Messe nach Barcelona, was bedeutet, dass ich mit den anderen 100 Passagieren an Bord wieder an einem Airline-Ritual teilnehmen werde: Wenn sich die Türen schließen und das Startverfahren beginnt, schalten wir alle (nach einer freundlichen Erinnerung der Flugbegleiterin) unsere elektronischen Geräte in den Flugmodus.
Brauchen wir überhaupt noch den Flugmodus?

Obwohl wir in einem Zeitalter unglaublichen technologischen Fortschritts leben, in dem Flugzeuge mit modernsten Computern ausgestattet sind und Smartphones leistungsfähiger sind als die Ausrüstung, die einen Menschen zum Mond brachte, wirkt diese Vorschrift wie ein Relikt aus der Vergangenheit. Viele Passagiere (mich eingeschlossen) fragen sich, ob ein eingeschaltetes Handy wirklich eine Katastrophe auslösen kann oder ob es sich nur um eine übervorsichtige Maßnahme der Fluggesellschaften handelt.

Brauchen wir den Flugmodus überhaupt noch?

Woher kommt der Flugmodus und die damit verbundene Angst?

Die Geschichte des Flugmodus reicht bis in die 1990er-Jahre zurück, als Mobiltelefone weit verbreitet wurden. Die damalige Technologie, insbesondere der GSM-Standard, war elektromagnetisch deutlich störungsanfälliger als heutige Standards. Elektromagnetische Interferenzen bereiteten Luftfahrtbehörden wie der US-amerikanischen Federal Aviation Administration (FAA) und der europäischen EASA große Sorgen. Flugzeuge nutzen für Navigation und Kommunikation eine Reihe empfindlicher elektronischer Systeme, die auf spezifischen Funkfrequenzen arbeiten.

In den Anfängen der Mobiltelefonie hörten Piloten oft ein charakteristisches Knistern oder Summen in ihren Headsets, wenn ein Telefon in der Nähe des Cockpits nach einem Signal suchte oder einen Anruf entgegennahm. Dasselbe Geräusch hören wir manchmal aus den Lautsprechern, kurz bevor wir eine SMS oder einen Anruf erhalten, wenn wir das Telefon danebenlegen. Obwohl solche Störungen in der Regel nicht direkt den Betrieb der Triebwerke oder Steuerungssysteme beeinträchtigten, konnten sie wichtige Durchsagen der Flugsicherung verdecken oder zu fehlerhaften Messwerten auf älteren Navigationsgeräten führen.

Ein Problem, das am Boden entsteht, nicht in der Luft.

Viele werden überrascht sein zu erfahren, dass der Flugmodus nicht nur zur Sicherheit von Flugzeugen, sondern auch zur Stabilität der Mobilfunknetze am Boden eingeführt wurde. Am Boden verbindet sich Ihr Smartphone mit dem nächstgelegenen Sender (Basisstation). Bei Bewegung wird die Verbindung nahtlos von einem Sender zum nächsten übertragen. Das Problem entsteht, wenn Sie sich in einem Flugzeug in mehreren tausend Metern Höhe schnell bewegen.

In dieser Höhe empfängt Ihr Smartphone gleichzeitig Dutzende oder sogar Hunderte von Sendern, statt nur zwei oder drei. Da das Flugzeug mit etwa 800 Kilometern pro Stunde fliegt, müsste sich das Smartphone innerhalb kürzester Zeit mit vielen Basisstationen verbinden und sofort wieder trennen. Dies belastet die Bodeninfrastruktur enorm, da die Übergabeprozesse (sogenannte Handover) viel Rechenleistung benötigen. Wenn alle 200 Passagiere eines großen Flugzeugs ihre Smartphones eingeschaltet hätten, könnte dies zu lokalen Mobilfunknetzausfällen in dem Gebiet führen, über das das Flugzeug fliegt. Der Flugmodus schützt daher auch diejenigen, die am Boden bleiben.

Welche Auswirkungen hat das 5G-Netz auf Flugzeuge?

In den letzten Jahren ist die Debatte um den Flugmodus durch den Ausbau der 5G-Netze, insbesondere in den USA, neu entfacht worden. Das Problem liegt nicht an der 5G-Technologie an sich, sondern an einem bestimmten Frequenzband, dem sogenannten C-Band. Dieser Frequenzbereich liegt sehr nahe an den Frequenzen, die von Funkhöhenmessern in Flugzeugen verwendet werden.

Der Funkhöhenmesser ist ein wichtiges Gerät, das Piloten (und dem Autopiloten) die genaue Höhe des Flugzeugs über dem Boden in der Endphase des Landeanflugs anzeigt. Dies ist besonders wichtig bei eingeschränkter Sicht, wenn das Flugzeug auf eine automatische Landung angewiesen ist. Die FAA hat ernsthafte Bedenken geäußert, dass starke 5G-Signale von Sendern in Flughafennähe diese Geräte stören und zu falschen Höhenmessungen führen könnten. Dies hat erhebliche politische und technische Spannungen zwischen Telekommunikationsunternehmen und der Luftfahrtindustrie verursacht. Infolgedessen mussten Fluggesellschaften Tausende von Höhenmessern durch neuere Modelle mit besseren Filtern zur Vermeidung von Störungen ersetzen oder aufrüsten. Dies ist einer der Hauptgründe, warum die Vorschriften für diese Geräte weiterhin so streng sind.

Unterschiede zwischen Europa und den USA: Warum gibt es eine Lockerung in der EU?

Interessanterweise traf die Europäische Kommission 2022 eine Entscheidung, die den Anfang vom Ende des Flugverkehrs in der Europäischen Union markieren könnte. Der europäische Ansatz unterscheidet sich vom amerikanischen hauptsächlich in der Frequenznutzung. In Europa arbeiten 5G-Netze auf Frequenzen, die weiter von den Frequenzen der Flugzeuginstrumente entfernt sind, und es gelten strengere Beschränkungen für die Sendeleistung von Sendern in der Nähe von Flughäfen.

Die Europäische Union fördert den Einsatz sogenannter Picozellen an Bord von Flugzeugen. Dabei handelt es sich um Miniatur-Basisstationen, die mit sehr geringer Leistung arbeiten und über Satellitennetze mit der Bodenstation verbunden sind. Da sich diese Zellen in unmittelbarer Nähe Ihres Mobiltelefons befinden, muss Ihr Gerät kein starkes Signal aussenden, um eine Verbindung herzustellen. Dadurch wird das Risiko von Störungen drastisch reduziert. Obwohl die technologischen Voraussetzungen gegeben sind, zögern Fluggesellschaften bei der praktischen Umsetzung, da dies teure Ausrüstung und Zertifizierungen erfordert.

Der Flugmodus wird aus Gründen des sozialen Friedens weiterhin genutzt.

Neben den technischen Gründen gibt es noch einen weiteren, vielleicht sogar wichtigeren Grund, warum der Flugmodus und das Verbot von Telefonaten an Bord weiterhin bestehen: Ruhe und Frieden. Die Flugzeugkabine ist ein beengter Raum, in dem die Passagiere stundenlang eng beieinander sitzen müssen. Stellen Sie sich vor, jeder an Bord wäre ständig am Handy. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich wäre das ein Albtraum.

Zahlreiche Umfragen belegen, dass Passagiere die Nutzung ihrer Mobiltelefone während des Fluges eigentlich nicht wünschen. Studien zum sogenannten Fluglärm zeigen, dass Lärm und das Eindringen in die Privatsphäre Stress und Aggressionen unter den Passagieren verstärken. Der Flugmodus dient daher als eine Art digitale Hygiene und trägt dazu bei, dass das Flugzeug ein Ort relativer Ruhe bleibt.

Schalte den Flugmodus ein, dein Handy wird es dir danken.

Auch wenn man Sicherheitsaspekte und Vorschriften außer Acht lässt, bietet der Flugmodus einige sehr praktische Vorteile für Reisende. Wenn Ihr Smartphone in 10.000 Metern Höhe verzweifelt nach einem Signal sucht und keines findet, verbraucht es viel Energie. Der Funksender läuft mit voller Leistung, was den Akku schnell entlädt und das Gerät erhitzt. Durch Aktivieren des Flugmodus verhindern Sie, dass Ihr Smartphone bei der Landung leer ist.

Zusätzlich ermöglicht der Flugmodus die Verbindung zum WLAN-Netzwerk an Bord, ohne mobile Daten zu aktivieren. Moderne Geräte erlauben den Flugmodus bei gleichzeitig aktiviertem Bluetooth und WLAN. So können Sie kabellose Kopfhörer nutzen und über das Airline-Portal (sofern verfügbar) im Internet surfen, während Funktionen, die Instrumente stören oder die Bodenstationen überlasten könnten, sicher deaktiviert sind.

Werden wir jemals völlig frei von Einschränkungen sein?

Die Frage ist nicht mehr, ob die Technologie sichere Verbindungen ermöglicht, sondern wann sich die Regeln an die neue Realität anpassen werden. Mit der Entwicklung von Satellitenkonstellationen in niedriger Erdumlaufbahn wie Starlink wird das Internet an Bord von Flugzeugen schneller und zugänglicher. Einige Fluggesellschaften, wie JetBlue oder bestimmte Linien von Emirates, bieten bereits kostenloses und schnelles WLAN an, sodass Passagiere Messenger-Apps nutzen und sogar Videoanrufe über das Internet tätigen können.

Die vollständige Abschaffung des Flugmodus dürfte jedoch ein langwieriger Prozess sein. Die Luftfahrt zählt zu den am stärksten regulierten Branchen weltweit, in der Sicherheitsprotokolle lange Bestand haben, selbst wenn ihre technologische Grundlage längst überholt ist. Solange nicht jedes einzelne Flugzeug der Flotte über aktualisierte und geschützte Systeme verfügt, werden die Aufsichtsbehörden wohl eher auf Nummer sicher gehen.

Ich persönlich werde weiterhin den Flugmodus nutzen, hauptsächlich um den Akku meines Handys zu schonen, aber auch um die geltenden Regeln zum Wohle aller Passagiere einzuhalten.


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