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06.04.2026 12:45

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Europas Antwort auf Microsoft Office erscheint inmitten eines erbitterten Streits um Eigentumsrechte und Lizenzen.

Ein Konsortium europäischer Unternehmen, darunter Nextcloud, Ionos und Proton, hat Euro-Office angekündigt, eine neue Open-Source-Office-Suite, die Europa digitale Souveränität und Unabhängigkeit von US-amerikanischen Konzernen ermöglichen soll. Das Projekt sieht sich jedoch seit seinem Start heftiger Kritik und Klagedrohungen ausgesetzt, da es auf dem Code von OnlyOffice basiert, der laut den Entwicklern Urheberrechte verletzt.
Foto: Euro-Büro
Foto: Euro-Büro

Um die Abhängigkeit von amerikanischen Technologien wie Microsoft 365 und Google Workspace zu verringern, haben sich führende europäische Cloud-Anbieter zusammengeschlossen und das Projekt Euro-Office ins Leben gerufen. Ziel war die Schaffung einer vollständig unabhängigen Lösung, die unter der Kontrolle europäischer Behörden und Unternehmen steht und gleichzeitig volle Kompatibilität mit gängigen Microsoft-Formaten (docx, xlsx, pptx) gewährleistet.

Die Entwickler der Euro-Office-Office-Suite begründen ihre Trennung vom Mutterprojekt mit mehreren Gründen. Sie nennen geopolitische Risiken als Hauptproblem und argumentieren, dass OnlyOffice, obwohl offiziell in Lettland ansässig, weiterhin stark in Russland verwurzelt sei, wo die meisten Entwickler leben sollen. Darüber hinaus behauptet das Konsortium, die Zusammenarbeit mit OnlyOffice sei erschwert gewesen, da externe Codebeiträge häufig abgelehnt und Entwicklungspläne intransparent gewesen seien. Euro-Office möchte diese Hindernisse beseitigen und ein in Europa entwickeltes Tool anbieten, das auf die Bedürfnisse des öffentlichen Sektors und kritischer Infrastrukturen zugeschnitten ist.

OnlyOffice schwieg jedoch nicht. Das Unternehmen wies die Vorwürfe russischer Einflussnahme entschieden zurück und warf dem Konsortium vor, die AGPLv3 (GNU Affero General Public License) verletzt zu haben. Laut OnlyOffice nutze Euro-Office ihr geistiges Eigentum ohne korrekte Quellenangabe, was Diebstahl sei. Der Streit eskalierte sogar zur Beendigung der achtjährigen Partnerschaft mit Nextcloud, da OnlyOffice vorgeworfen wurde, Mitarbeiter abwerben und das Vertrauen in die Open-Source-Community untergraben zu wollen.

Trotz des Rechtsstreits wird die Entwicklung der Euro-Office-Office-Suite fortgesetzt. Die erste finale Version 1.0 ist für Sommer 2026 angekündigt, und der Quellcode ist bereits auf GitHub verfügbar. Das Projekt verspricht eine Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationssoftware und einen PDF-Editor, die direkt in sichere europäische Cloud-Dienste integriert werden sollen. Ob Euro-Office sich tatsächlich als ernstzunehmende Alternative zu Microsoft etablieren oder in langwierigen Gerichtsverfahren scheitern wird, bleibt abzuwarten. Europas Wunsch nach eigener Software war jedoch noch nie so deutlich.


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