MWC 2026: Von faltbaren Wundern bis hin zu elektrischen Supersportwagen
Wo die Hersteller einst im Wettbewerb um die Anzahl der Kerne und Megapixel standen, dreht sich die Debatte auf dem Messegelände heute um künstliche Intelligenz, digitale Souveränität, Datenschutz und Konnektivität.
Nach den ersten 20.000 Schritten hatte ich alle wichtigen und interessantesten Stationen des diesjährigen MWC 2026 besucht. Red Magic, Nubia, ZTE, Lenovo, Vivo, MediaTek, Qualcomm, Samsung, Anker, Motorola… Xiaomi und HONOR zogen dieses Mal die größte Aufmerksamkeit auf sich, da sie ihre Innovationen bereits vor Messebeginn präsentierten. Aber auch die anderen Hersteller waren nicht ohne Neuheiten.
Xiaomi mit Fokus auf Fotografie und Automobil
Xiaomi macht seinem Ruf alle Ehre und präsentiert wie immer eine ganze Reihe neuer Geräte für unterwegs, zu Hause und in der Stadt. Im Mittelpunkt steht die Xiaomi 17-Serie mit zwei Smartphones für Fotografie-Begeisterte und alle, die ein Premium-Smartphone suchen. Am Handgelenk können wir die neue Xiaomi Watch 5 tragen, und auf Straßen und Schotterwegen sorgt der neue Xiaomi Elektroroller 6 für rasante Fahrten.
Auf dem Messegelände versammelten sich alle um den Xiaomi Hypercar, der vom Xiaomi SU7 Ultra begleitet wurde. Ersterer ist ein Konzeptfahrzeug, eine Demonstration der Ambitionen des chinesischen Unternehmens, das sich in kürzester Zeit einen relativ starken Namen in der Automobilindustrie gemacht hat. Letzterer verkörpert die „PS“, mit der sie auf Rennstrecken Rekorde brechen und für Schlagzeilen sorgen.
Ich habe mir auch die Sonderedition des Xiaomi Leica Leitzphone genauer angesehen, die die wachsende deutsch-chinesische Partnerschaft verkörpert. Nächsten Monat werde ich die Gelegenheit haben, sie zu testen.
Schade, dass diesmal nicht genug Platz für den Rest des Xiaomi-Portfolios war (Autos hatten Vorrang), denn ich hätte mir gerne die POCO-Handys genauer angesehen, die mich zumindest dieses Jahr wieder begeistert haben. Das POCO F8 Ultra ist ein gutes Beispiel dafür, wie man für unter 1.000 € ein Smartphone bekommt, das so leistungsstark ist wie die besten und gleichzeitig sehr gute Fotos macht (es hat denselben Hauptsensor wie das Xiaomi 17).






HONOR hat einen Roboter mit einem Telefon kombiniert.
HONOR ging mit einer futuristischen Idee an die Sache heran und kombinierte Robotik mit Telefonie. Das HONOR Robot Phone bestach durch einen ausfahrbaren Mechanismus bzw. Gimbal, an dem ein 200-MP-Sensor angebracht war. HONOR betont, dass es sich um eine sehr kompakte 4DoF-Gimbal-Lösung handelt, die primär für Stabilisierung und aktive Bildkomposition gedacht ist. Es wird noch in diesem Jahr erhältlich sein, allerdings vorerst nur in China. Preis und weitere Spezifikationen sind noch nicht bekannt.
Etwas abseits des Rampenlichts stand das neue faltbare Smartphone Magic V6. Ich verstehe, wenn man die Verbesserungen für minimal hält, zu geringfügig, um es überhaupt als neues Handy zu bezeichnen. Auch ich war skeptisch, bis ich mit dem Finger über den Bildschirm fuhr. Wir alle wissen, dass faltbare Smartphones eine sichtbare Falte in der Mitte haben, die zwar jedes Jahr kleiner wird, aber bisher ist es niemandem gelungen, sie vollständig zu eliminieren. Nun, HONOR ist dies mit dem Magic V6 teilweise gelungen. Sie ist zwar aus bestimmten Blickwinkeln noch sichtbar, aber bei der Nutzung des internen Displays nicht mehr wahrnehmbar. Außerdem wurde das Smartphone dünner (um einige Zehntel), die Telekamera verbessert und das Faltgelenk verstärkt.
Es ist nicht nur das dünnste und mechanisch beeindruckendste Falthandy, sondern auch das erste mit IP69- (und IP68-)Zertifizierung für Wasserdichtigkeit. Bald gibt es keine Ausreden mehr, sich kein Falthandy zuzulegen.



Auch Huawei hat bei neuen Geräten nicht gespart.
Wenige Tage vor der Messe in Madrid stellte Huawei die neue Watch GT Runner 2 vor, die ich auch in Barcelona durchgehend trug. Zuvor hatte die Nachricht, dass das polnische Unternehmen Quicko, mit dem Huawei im Bereich kontaktloser Zahlungen auf Smartwatches kooperierte, seine Pforten geschlossen hatte, einen schweren Schlag für das Unternehmen bedeutet. Dies war ein herber Verlust für Huawei, das bereits seit Jahren nach einer geeigneten Zahlungslösung suchte. Dieses Mal müssen wir nicht so lange warten: Noch vor Jahresende soll Curve Pay verfügbar sein, das ich beispielsweise schon auf meinem Huawei-Smartphone nutze. Aktuell ist Curve nur auf der neuen Watch GT Runner 2 und in sechs europäischen Ländern verfügbar; Slowenien gehört nicht dazu. Wie bereits erwähnt, soll die Ausweitung auf weitere Märkte und Geräte bis Ende des Jahres erfolgen, voraussichtlich bis hin zur Watch 4 und GT 4-Serie.
Als ich das Huawei Mate XT zum zweiten Mal sah (in Ljubljana), war es ein zweifach faltbares Smartphone, das beispielhaft zeigt, wie absurd verrückt Smartphones sein können, wenn man der Welt etwas beweisen will. Das Scharnier ist genauso stabil wie bei klassischen Falthandys, und die Kameras sind, angesichts des ständigen Platzmangels, sehr gut. Natürlich ist ein eigener Kirin-Chip verbaut, der zwar aktuell noch nicht mit Snapdragon und MediaTek mithalten kann, aber Huawei hat keine andere Wahl. Sie müssen ihn einfach weiterentwickeln und in den kommenden Jahren aufholen.
Ich nutze das Huawei Mate X7, die siebte Generation des Falt-Smartphones, nun schon eine Woche lang. Es sieht dem HONOR Magic V6 sehr ähnlich. Beide sind sehr dünn, leicht und robust (das HONOR sogar noch etwas mehr). Die Kameras sind für ein Falt-Smartphone deutlich überdurchschnittlich. Da es in Europa erhältlich ist, läuft es mit EMUI, das zwar seine Schwächen hat, Huawei aber betont hat, dass man im westlichen Markt weiterhin auf Android setzt. Ein Wechsel zu HarmonyOS ist derzeit nicht geplant.
Ich habe auch die neue Huawei Mate 80-Serie (Pro, Pro Max und RS Ultimate) mit Kirin 9030 (Pro)-Chips, OLED-Displays und einem 50-Megapixel-Kamerasystem gesehen. Das Besondere an dieser Serie ist das Metallgehäuse (bis auf den Bereich, in dem sich das kabellose Ladesystem befindet), das theoretisch die Wärme besser ableitet und so die Kühlung wichtiger Komponenten verbessern könnte.
Wie schon letztes Jahr habe ich mir das Huawei Pura X genauer angesehen. Es ist ein weiteres Falthandy mit einer ungewöhnlichen Falttechnik, die mir sogar besser gefällt als die von Klapphandys (ähnlich dem Flip, nur breiter). Ich habe es noch nicht getestet, aber mein erster Eindruck lässt mich vermuten, dass das Surfen auf einem solchen Bildschirm und die allgemeine Nutzung ein größeres Vergnügen bereiten würden. Das Handy soll in China ein großer Erfolg sein, und ich hoffe, dass dies Grund genug für Huawei ist, die nächste Generation auch in Europa auf den Markt zu bringen.






Red Magic war ein Paradies für Jugendliche und Gamer.
Auf dem MWC 2026 positioniert ZTE REDMAGIC und nubia Neo offen als Kern seiner Präsenz im Gaming- und eSports-Segment – mit einem klaren Ziel: die Technologiemarke zu werden, die den Lifestyle junger Menschen am besten verkörpert.
Ich habe mir das Red Magic 11 Pro genauer angesehen. Es ist eines der ersten Smartphones mit aktiver Kühlung, die die Haltbarkeit nicht beeinträchtigt. An der Seite und auf der Rückseite befindet sich ein Lüfter, der mit über 20.000 Umdrehungen pro Minute rotiert. Ich weiß noch nicht, wie stark sich das auf die Temperatur auswirkt, werde es aber bald herausfinden, sobald ich das Gerät zum Testen erhalte. Das größte Problem bei allen Smartphones heutzutage ist, wie man beim Spielen, Aufnehmen, Bearbeiten von Videos und ähnlichen rechenintensiven Aufgaben relativ warm bleibt (und nicht überhitzt). Wer auf seinem Smartphone spielt, insbesondere anspruchsvolle Spiele, kann maximal etwa anderthalb Stunden spielen. Spielt man länger, leidet die Akkulaufzeit auf Dauer (selbst bei den leistungsstärksten Smartphones). Hitze ist Gift für elektronische Geräte. Man kann zwar externe Lüfter verwenden, aber wenn das Smartphone eine integrierte aktive Kühlung hat, warum nicht?
Auch ihr Red Magic Astra Tablet verfügt über eine aktive Kühlung, obwohl ich nicht feststellen konnte, wo die Wärme entweicht. Es gibt keine offensichtliche Lüftungsöffnung, durch die heiße Luft abgeführt werden könnte.
Red Magic dient oft als Testfeld für neue Produkte. Vielleicht entscheidet sich der Mutterkonzern, die Lüfter auch in anderen Produkten einzusetzen, beispielsweise in Nubia-Smartphones, die eher für den allgemeinen Gebrauch gedacht sind und nicht speziell für Spiele entwickelt wurden.











Samsung Galaxy AI als Ökosystem
Samsung setzte beim MWC 2026 nicht auf das Motto „Seht her, unser neues Smartphone!“, sondern auf „Seht her, unser Ökosystem!“. Im Mittelpunkt des Messestandes stand die Galaxy S26-Serie und das Konzept, dass sich Galaxy AI zu einer stärker agierenden KI weiterentwickelt, die nicht nur Fragen beantwortet, sondern auch bei Aufgaben geräte- und dienstübergreifend Unterstützung bietet.
Bevor ich die neuesten Handys testen konnte, habe ich auf der Messe das Samsung TriFold, ein zweifach faltbares Smartphone, ausprobiert. Es ist nach Huawei, das bereits zwei Generationen auf den Markt gebracht hat, das zweite Modell dieser Art. Ehrlich gesagt? Es ist schon etwas Besonderes. Die Vorstellung, einen noch größeren Bildschirm in der Hosentasche zu haben, ist sehr verlockend, besonders für diejenigen unter uns, die viel auf ihren Smartphones konsumieren. Ich selbst habe mir schon ausgemalt, wie ich im Flugzeug auf einem Bildschirm in der Größe eines kleinen Tablets einen Film oder eine Serie schauen könnte, wie ich ein Bild von meinem Computer zu Hause auf das Handy übertragen und die neuesten Windows-Spiele spielen könnte und so weiter. Das wird wohl nie passieren, denn ich bin nicht bereit, mehr als 3.000 € für ein Handy auszugeben. Aber man darf ja träumen.
Ich habe das neue Privacy Display des Samsung Galaxy S26 Ultra erneut getestet. Es funktioniert wirklich gut; man kann gezielt einzelne Bereiche des Bildschirms, Apps, Benachrichtigungen oder Widgets ausblenden. Etwas besorgniserregend finde ich die merklich reduzierte Bildschirmauflösung – und vermutlich auch die Helligkeit –, wenn man den maximalen Datenschutz wählt. Auch die Blickwinkel scheinen mir etwas schlechter zu sein. Sobald ich das Gerät zum Testen habe, werde ich prüfen, ob mich das stört oder ob der höhere Datenschutz den Kompromiss rechtfertigt. Dann kann ich es auch mit einer Schutzfolie mit ähnlichem Sichtschutz vergleichen.
Ich war auch an der Videofunktion bzw. Videostabilisierung (Horizontal Lock) interessiert, die ich vor einigen Jahren schon bei Vivo-Handys gesehen hatte. Wenn sie aktiviert ist, bleibt das Motiv – beim Wechsel vom Hoch- ins Querformat – immer mittig im Bild. Sie funktioniert einwandfrei, sogar besser als bei Konkurrenzmodellen, die beim Aktivieren automatisch auf eine niedrigere Auflösung umschalten.
Samsung hat zudem deutlich gemacht, dass es von der Branche nicht nur als Handyhersteller wahrgenommen werden möchte. Auf dem MWC hob das Unternehmen außerdem seine Netzwerk-UI-Lösungen hervor, mit denen es sich für Netzbetreiber interessant machen will.




Vivo: Kamera als Werkzeug und Smartphone als Plattform für Zubehör
Vivo hat auf dem MWC 2026 etwas in der Mobilfunkbranche Erstaunliches getan: Das Unternehmen konzentrierte sich nicht nur auf ein Smartphone, sondern auf die Idee eines Smartphones als Fotoplattform. Vivo präsentierte das kommende X300 Ultra und hob dessen 200-Megapixel-Teleobjektiv hervor (sowie Zubehör wie einen Telekonverter, einen Griff und sogar einen Kamerakäfig in Zusammenarbeit mit SmallRig).
Das ist nicht bloß nerdige Begeisterung, sondern reine Logik. Wenn die Bildverarbeitungsqualität von Mobilgeräten in den letzten Jahren fast an die von klassischen Kameras herangekommen ist, liegt der nächste Schritt für manche Nutzer in Ergonomie und Bedienbarkeit. Mit diesen Neuerungen signalisiert Vivo implizit, dass das Smartphone ein Hybrid sein kann – mal eine Kompaktkamera, mal ein semiprofessionelles Aufnahmegerät.



Motorola kündigt Partnerschaft mit GrapheneOS an
Motorola unterstrich seinen Willen, die Marke an die Spitze des globalen Mobilfunkmarktes zu führen. Das Unternehmen präsentierte mehr als nur neue Geräte. Ein besonderer Fokus lag auf Softwaresicherheit und zukünftigen Modellen, die sich an umweltbewusste Nutzer richten.
Eine der wichtigsten Neuigkeiten am Motorola-Stand war die lange gemunkelte und nun offiziell bestätigte Partnerschaft mit der GrapheneOS Foundation, einer gemeinnützigen Organisation, die eine der datenschutz- und sicherheitsorientiertesten Android-Oberflächen entwickelt. Diese Vereinbarung kam für viele überraschend, da GrapheneOS bisher exklusiv auf Google Pixel-Geräten verfügbar war. Das ändert sich nun, denn Motorola plant, in den kommenden Jahren Smartphones mit der Plattform auf den Markt zu bringen. Dies ist ein bedeutender Schritt, denn er markiert einen Wandel im Android-Betriebssystem hin zu mehr Offenheit und Sicherheit, die nun auch von anderen Herstellern – nicht nur von Googles Pixel-Reihe – angeboten werden können.
Dies wird voraussichtlich bis Ende dieses Jahres oder spätestens Anfang 2027 der Fall sein. Wenn Sie ein Smartphone suchen, das nicht von Google abhängig ist, ist dies die beste Lösung.
Neben den Software-Neuheiten präsentierte Motorola in Barcelona auch einige neue Geräte, die bei den Besuchern großes Interesse weckten. Zu den Highlights zählte das Motorola Razr Fold, das erste faltbare Smartphone der Marke, das modernes Design mit Fotofunktionen vereint. Die neuen Moto Buds 2 Plus und Moto Buds 2 stellen eine überarbeitete Reihe kabelloser Kopfhörer mit verbessertem Klang, aktiver Geräuschunterdrückung (ANC) und Bluetooth 6.0-Unterstützung sowie Benutzeroberflächenfunktionen für Geräuschunterdrückung und Echtzeitübersetzung dar.






Die Zukunft wird vielfältig sein
Ich habe gelernt, dass sich die Zukunft der Technologie in verschiedene Richtungen entwickelt. Künstliche Intelligenz wandert zunehmend von der Cloud direkt auf die Endgeräte, Datenschutz wird zu einem Verkaufsargument, faltbare Geräte werden immer ausgereifter und Netzwerke immer schneller.
Obwohl viele Verbraucher den Eindruck haben, Technologie sei langweilig geworden (insbesondere im Bereich der Telefonie), glaube ich, dass wir uns irren. Es tut sich unglaublich viel. Und selbst wenn jedes Upgrade zunächst minimal erscheint, kann gerade dieser Minimalismus über zwei oder mehr Generationen hinweg eine Evolution bewirken.

























