Wie konnte die SD-Karte alle Konkurrenten schlagen und die Weltherrschaft erlangen?
Ich habe es, du hast es, wir alle haben mindestens eins. Vielleicht in einem alten Handy, einer Kamera, einer Nintendo Switch oder ROG Ally.
Jedes Mal, wenn ich drücke Micro SD Karte Als ich in ihr Haus kam, dachte ich darüber nach, wie selbstverständlich wir es heute nehmen, dass es einfach funktioniert – und zwar überall. Das war nicht immer so. Zwischen Mitte der 1990er und Anfang der 2000er Jahre glich der Markt für tragbare Speichermedien einem Formatkrieg, ähnlich dem zwischen VHS und Betamax, nur dass hier mindestens sechs oder sieben Schlachtfelder gleichzeitig tobten. Jeder große Elektronikhersteller wollte sein eigenes, geschlossenes System, das den Nutzer in seinem eigenen Ökosystem hielt.
Welche Standards existierten vor der SD-Karte, welche versuchten, sie zu ersetzen, und warum konnte sich keiner von ihnen durchsetzen?
Die Welt davor SD-Karten war fragmentiert
Schon vor der Einführung der Secure Digital (SD)-Karte im Jahr 1999 gab es mehrere konkurrierende Lösungen für tragbare Flash-Speicher auf dem Markt. Sie alle lösten ein ähnliches Problem (wie man möglichst viel Speicherplatz auf einem kleinen, kostengünstigen Chip unterbringt), jedoch jeweils auf ihre eigene Weise, ohne einheitliche mechanische oder elektrische Schnittstelle. Die Folge war, dass ein Lesegerät für einen Kartentyp bei einem anderen völlig versagte und Kunden mehrere Adapter kaufen mussten, um Daten zwischen Geräten verschiedener Marken zu übertragen.
CompactFlash war der Startschuss für die Flash-Speicher-Revolution.
CompactFlash (CF) wurde 1994 von SanDisk eingeführt und war für seine Zeit ein Durchbruch. Äußerlich ähnelte die Karte einer Miniaturfestplatte. Sie war deutlich größer als heutige Speicherkarten. Gerade diese Größe ermöglichte jedoch den Einsatz einer parallelen Schnittstelle, ähnlich derjenigen von PATA-Festplatten (IDE) jener Zeit. Dadurch erreichten CF-Karten einen erheblichen Geschwindigkeitssprung gegenüber frühen SD-Karten, die primär auf geringe Größe und niedrigen Stromverbrauch, nicht aber auf maximale Geschwindigkeit ausgelegt waren.
Deshalb war CompactFlash über ein Jahrzehnt lang der Standard für professionelle Digitalkameras, während SD die erste Wahl für Endverbraucher blieb. Doch als die SD-Technologie aufholte und CF in puncto Geschwindigkeit übertraf, dabei aber deutlich kleiner blieb, verlor CompactFlash seine Vormachtstellung im Massenmarkt.
Das Format ist jedoch nicht tot. Sein Nachfolger, CFexpress, wird heute noch in professionellen Kameras und Kinokameras eingesetzt, wo eine konstante Schreibgeschwindigkeit wichtiger ist als die Speicherkartengröße. Mehr dazu weiter unten.

Die MultiMediaCard (MMC) ist der direkte Vorfahre der SD-Karte.
1997 brachten SanDisk und Siemens die MultiMediaCard (MMC) auf den Markt, eine kleine Karte mit serieller Schnittstelle, die für frühe tragbare Geräte wie PDAs und die ersten digitalen Musikplayer entwickelt wurde. Die MMC ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil sie die technische Grundlage für die SD-Karte bildete. SD ist im Wesentlichen eine MMC mit zusätzlichem Kopierschutz (DRM), einem zusätzlichen Kontakt für sichere Kommunikation und verbesserter Übertragungssicherheit.
Da die SD-Karte mechanisch der MMC-Karte sehr ähnlich war, unterstützten frühe SD-Lesegeräte auch MMC-Karten problemlos. Dadurch verfügte SD von Anfang an über eine große Anzahl kompatibler Geräte und konnte sich schnell verbreiten. MMC als eigenständiges Format verschwand allmählich, als SD die Oberhand gewann und seine Rolle erweiterte.

Die Geburtsstunde der SD-Karte: ein Kompromiss, der gewann
Die SD-Karte wurde im August 1999 gemeinsam von SanDisk, Panasonic (damals Matsushita Electric) und Toshiba vorgestellt. Im Januar 2000 gründeten sie die SD Association (SDA), eine gemeinnützige Organisation, die seither für den Standard verantwortlich ist. Die Idee entstand als direkte Reaktion auf Sonys Memory Stick, der im Vorjahr mit einem eigenen DRM-System auf den Markt gekommen war. Die Entwickler der SD-Karte wollten einen ähnlichen Schutz ihrer Inhalte, jedoch in Form eines offenen, lizenzierten Standards, der von jedem und nicht nur von einem Hersteller genutzt werden konnte.
Diese Entscheidung sollte sie in den kommenden Jahren an die Spitze katapultieren. SD setzte sich nicht durch, weil es technisch am revolutionärsten war, sondern weil es vom ersten Tag an an nahezu jeden interessierten Elektronikhersteller lizenziert wurde. Bis 2010 hatte die SDA rund tausend Mitgliedsunternehmen – ein Unterstützungsnetzwerk, das geschlossene Formate nie erreicht hatten.
Toshiba gab nicht so leicht auf.
Toshiba stieg mit SmartMedia-Karten in den Markt ein. Diese waren physisch sehr dünn und ähnelten eher den späteren SD-Karten als den dicken CompactFlash-Karten. Das Problem lag im internen Design. SmartMedia besaß keinen integrierten Speichercontroller und war daher vollständig auf die Hardware des Host-Geräts zur Datenverwaltung angewiesen. Dies beschränkte die maximale Kapazität auf nur 128 MB, was angesichts der damals steigenden Auflösungen digitaler Kameras zu gering war. Zudem war die dünne Bauweise auch physisch empfindlich. Die Karten brachen und wurden viel leichter beschädigt als dickere Alternativen.
Sony versuchte es auch
Sony hatte seit 1998 sein eigenes Memory-Stick-Speicherökosystem aufgebaut, das in Cyber-shot-Kameras, VAIO-Laptops und später in der PlayStation Portable zum Einsatz kam. Die technischen Möglichkeiten waren nicht das Hauptproblem, das den Durchbruch des Standards bei den Nutzern verhinderte. Die Übertragungsgeschwindigkeiten waren im Allgemeinen mit denen von SD-Karten der damaligen Zeit vergleichbar.
Das eigentliche Problem war die Fragmentierung innerhalb der eigenen Produktfamilie: Memory Stick, Memory Stick PRO, Memory Stick Duo, Memory Stick PRO Duo, Memory Stick Micro (M2). Jede Version benötigte einen eigenen Leser oder Adapter, was die Benutzer verwirrte und frustrierte.
Ein noch größeres Problem lag im Geschäftsleben. Das Format war praktisch nur für Besitzer von Sony-Geräten nutzbar, und die Datenübertragung erforderte oft einen speziellen Kartenleser, ebenfalls von Sony. In einem Markt, in dem ein einziger Hersteller die Regeln vorgibt, verliert letztendlich immer der Kunde, und so entschieden sich die Kunden für ein Format, das überall funktionierte.


xD-Bildkarte: Ein Versprechen, das zu spät kam
Olympus und Fujifilm brachten 2002 die xD-Picture Card auf den Markt, die sich vor allem an Kompaktkameras richtete. Die Karten waren für damalige Verhältnisse beeindruckend klein, doch das Format konnte sich außerhalb dieser beiden Marken nicht durchsetzen. Solange Olympus und Fujifilm im Kompaktkameramarkt etabliert waren, reichte das aus. Doch als die Preise für SD-Karten rapide sanken und deren Geschwindigkeit und Speicherkapazität rasant zunahmen, blieb xD langsamer, teurer und speicherbegrenzter. Einige spätere Olympus-Kameras boten daher zwei Steckplätze an, einen für xD und einen für SD – ein klares Eingeständnis, dass der Kampf bereits verloren war.

miniSD und RS-MMC sind Zwischenstationen vor microSD.
Als Mobiltelefone Mitte der 2000er-Jahre dünner wurden, benötigten die Hersteller kleinere Speicherkarten als die Standard-SD-Karte. 2003 erschien miniSD, und ein Jahr später führte Nokia RS-MMC (Reduced-Size MultiMediaCard) ein, eine verkleinerte Version der MMC, die hauptsächlich für Nokia-Handys entwickelt wurde. Beide Formate waren zunächst erfolgreich, jedoch nur für kurze Zeit. 2005 wurden sie von microSD abgelöst, das ursprünglich von SanDisk unter dem Namen TransFlash entwickelt und noch im selben Jahr von der SD Association übernommen und standardisiert wurde. microSD war kleiner, günstiger in der Herstellung und wurde offiziell vom gesamten SD-Konsortium unterstützt, wodurch es sich schnell zum Standard für Smartphones entwickelte.
UFS-Karten sind technisch beeindruckender, kommerziell tot
Das wohl aussagekräftigste Beispiel für ein Scheitern ist die Universal Flash Storage (UFS)-Karte, die 2016 von JEDEC, dem Konsortium hinter den meisten Speicherstandards, einschließlich RAM, vorgestellt wurde. Auf dem Papier war die UFS-Karte bemerkenswert. Sie bot Geschwindigkeiten vergleichbar mit SSDs und (anders als SD-Karten) gleichzeitiges Lesen und Schreiben von Daten anstelle von abwechselndem Zugriff.
Das Problem lag nicht in der Technologie selbst, sondern im Zeitpunkt und im Marktumfeld. Als UFS-Karten auf den Markt kamen, setzten Smartphones (ihre Hauptzielgruppe) bereits nicht mehr auf externe Speichermedien, sondern vermehrt auf schnelleren internen Speicher. Externe UFS-Karten konnten sich bei den Verbrauchern nie wirklich durchsetzen. Ironischerweise verschwand die UFS-Technologie dennoch nicht. Sie hat sich zum Standard für internen Speicher in nahezu allen modernen Smartphones entwickelt, wobei UFS 4.0 und das neuere UFS 5.0 sequentielle Lesegeschwindigkeiten erreichen, die mit leistungsstarken Desktop-PCIe-SSDs vergleichbar sind. Somit gewann UFS den Kampf um den internen Speicher von Smartphones, verlor aber den Kampf um externe Speicherkarten.
CompactFlash kehrt als CFexpress zurück.
CompactFlash (das erste Format auf dieser Liste) ist nie wirklich verschwunden. Sein moderner Nachfolger, CFexpress, nutzt den PCIe-Bus und das NVMe-Protokoll, genau wie moderne SSDs, und erreicht dadurch sequentielle Schreibgeschwindigkeiten, die klassische SD-Karten nach wie vor nur schwer erreichen. Deshalb findet man CFexpress (in den Versionen A, B und C) in professionellen Kameras von Canon, Nikon und Sony, die kontinuierliche Aufnahmen großer RAW-Serien oder hochauflösende 8K-Videos erfordern. CompactFlash hat sich somit im professionellen Segment etabliert, während SD sich als Massenstandard für nahezu alle anderen Verbraucherprodukte durchgesetzt hat.
Warum hat die SD-Karte am Ende gewonnen?
Die SD-Karte verdankte ihren Erfolg nicht einem einzigen, überwältigenden technischen Vorteil. Sie war nicht die erste auf dem Markt, nicht immer die schnellste und schon gar nicht immer die kleinste. microSD beispielsweise wurde als Reaktion auf den Bedarf an einem kleineren Format entwickelt, nicht umgekehrt. Stattdessen setzte die SD Association auf eine Kombination von Faktoren, die sich als wichtiger erwiesen haben als technische Spezifikationen: offene Lizenzierung, eine breite Palette kompatibler Geräte, kontinuierliche Verbesserungen bei Geschwindigkeit, Kapazität und Zuverlässigkeit und, vielleicht am wichtigsten für den Verbraucher, sinkende Preise.


In welche Richtung entwickelt sich SD aktuell?
Der Formatkrieg ist noch nicht vorbei, er hat sich nur verlagert. SD Express konkurriert heute mit der beschleunigten Onboard-Speichertechnologie UFS in Smartphones um Platz, während CFexpress die klassischen SD-Karten in der professionellen Fotografie und Filmproduktion langsam ablöst, wo die Schreibgeschwindigkeit beim RAW-Videodreh zum Flaschenhals wird. Aktuell bleiben SD und microSD die einzigen wirklich universellen, generationsübergreifend kompatiblen Standards.
Eine heute gekaufte Karte funktioniert problemlos in einem 15 Jahre alten Kartenleser. Diese langfristige Kompatibilität ist der Grund, warum die SD-Karte trotz aller technisch hochentwickelten Konkurrenten, die gekommen und gegangen sind, nach wie vor die Standardwahl für Wechseldatenträger ist.
Man weiß ja nie, vielleicht entscheiden die Handyhersteller ja, dass SD-Karten wieder im Trend liegen.
Haben Sie wenig Speicherplatz und suchen eine neue (micro)SD- oder CFexpress-Karte?


















