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29.07.2026 08:34
Autor: Peter Cebron

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Das europäische Zahlungssystem Wero kommt in die Lidl-Onlineshops.

Das europäische Zahlungssystem Wero kommt in die Lidl-Onlineshops.

Der europäische Bankensektor sucht schon lange nach Wegen, Wie man die Abhängigkeit von amerikanischen Finanz- und Kreditkartenriesen verringern kannZahlungsdienste wie Visa, Mastercard, PayPal und Google Pay werden bereits angeboten. Einen wichtigen Meilenstein hat der Discounter Lidl nun gesetzt: Als erster großer Lebensmittelhändler hat er das neue europäische digitale Zahlungssystem Wero in seinen deutschen Onlineshop (lidl.de) integriert. Zukünftig soll dieser Service auch in den Onlineshops in Belgien und Frankreich verfügbar sein.

Wie funktioniert Wero und warum ist es wichtig für Europa?

Wero ist eine Initiative der Europäischen Zahlungsinitiative (EPI), einem Zusammenschluss von 18 großen europäischen Banken und Finanzinstituten, die derzeit über 57 Millionen Nutzer in ganz Europa erreicht. Wero ermöglicht direkte Zahlungen von Konto zu Konto, d. h. Geld wird innerhalb weniger Sekunden direkt zwischen Bankkonten transferiert, ohne dass herkömmliche Kartendienstleister benötigt werden.

Beim Online-Kauf muss der Kunde weder seine Zahlungskartennummer noch seine IBAN eingeben. Er bestätigt die Transaktion einfach in seiner Mobile-Banking-App oder durch Scannen des QR-Codes auf dem Bildschirm.

Alle Finanzdaten verbleiben innerhalb des europäischen Bankensystems, wodurch die Datensouveränität Europas gestärkt wird.

Neben Lidl wird das Wero-System bereits von Unternehmen wie Decathlon, CTS Eventim und A&O Hostels eingesetzt, und auch Rossmann, Hornbach, CEWE, Baur und die Fluggesellschaft Air Europa planen, es demnächst einzuführen.

Haben wir unsere Abhängigkeit von Visa und Mastercard etwa durch eine Abhängigkeit von Google und Apple ersetzt?

Obwohl Wero das Problem der finanziellen Souveränität durch die Ablösung US-amerikanischer Kartennetzwerke erfolgreich angeht, besteht ein offensichtlicher Widerspruch in der technologischen Umsetzung. Der Dienst ist nach wie vor stark von den US-amerikanischen mobilen Betriebssystemen Android (Google) und iOS (Apple) abhängig.

Das Wero-System funktioniert über mobile Banking-Apps oder die eigenständige Wero Wallet-App, die im Google Play Store und im Apple App Store erhältlich sind. Wero ist nicht als vollständig offene, webbasierte Schnittstelle oder hardwareunabhängiger Standard konzipiert. Es handelt sich um ein geschlossenes System und eine Anwendung, die ein Smartphone mit einem der beiden gängigen Betriebssysteme benötigt.

Nutzer von Geräten, die nicht von Google unterstützt werden (z. B. Huawei-Smartphones), und von Open-Source-Systemen wie GrapheneOS stoßen häufig auf ein Problem: Die eigenständige Wero-Anwendung oder Banking-Apps mit integriertem Wero nutzen Sicherheitsmechanismen zur Überprüfung der Geräteintegrität (Google Play Integrity API). Auf Geräten ohne offizielle Google-Dienste oder mit entsprechenden Patches funktionieren diese Anwendungen oft nicht oder erfordern die Nutzung der Google-Dienste-Sandbox.

Eine der wenigen Möglichkeiten, Wero auf offenen Geräten (wie GrapheneOS) zum Laufen zu bringen, besteht darin, die Banking-App einer Bank zu verwenden, die Wero integriert und nicht zwingend offizielle Google-Dienste benötigt. Solche Apps sind jedoch selten.

Wero ist ein wichtiger Schritt hin zu einer unabhängigen europäischen Währungs- und Bankenlandschaft. Solange Finanzdienstleistungen jedoch von Anwendungen abhängig sind, die die geschlossene Infrastruktur der Silicon-Valley-Giganten benötigen, verlagern solche Lösungen Europas Abhängigkeit von amerikanischen Kreditkartenanbietern lediglich auf die Ebene der Betriebssysteme. Für eine vollständige digitale Souveränität sollte Europa zudem offene Standards fördern, die weder die Zustimmung noch die Infrastruktur von Google und Apple erfordern.


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