Künstliche Intelligenz übernimmt erstmals die Kontrolle über Laborroboter und Mikroskope.
Anthropic hat kürzlich den Anthropic Model Hardware Standard (MHS) veröffentlicht, eine gemeinsame Spezifikation, die es KI-Agenten ermöglicht, physische Geräte in der realen Welt sicher zu steuern. Der Zugriff ist derzeit auf ausgewählte Forschungslabore und fortschrittliche Hersteller beschränkt; weitere Interessenten können sich auf eine Warteliste setzen lassen. Laut Anthropic verkürzt der Anthropic Model Hardware Standard (MHS) die Integrationszeit komplexer Hardware von Wochen oder Monaten auf Stunden oder sogar Minuten.
Der neue Standard ist für Mikroskope, automatisierte Pipettiersysteme und Roboterarme konzipiert. Ein einzelner Agent kann mehrere Geräte parallel steuern. Anthropic nennt Anwendungsfälle, die von routinemäßigen Experimenten zur Wirkstoffforschung bis zur präzisen Ausrichtung von Laserstrahlen in Quantencomputern reichen. Ziel des Projekts sind vollständig autonome Experimente, die rund um die Uhr laufen. Der Agent analysiert dabei jeden Schritt, passt Parameter an veränderte Bedingungen an und kann in manchen Fällen sogar Hardwareausfälle ohne menschliches Eingreifen beheben. Jonah Cool von der Biologieabteilung von Anthropic erklärt, der Standard löse ein zentrales Problem: Viele wissenschaftliche Arbeiten können heute nicht durchgeführt werden, weil Forschende die vorhandenen Geräte nicht richtig bedienen können.
Die Entwicklung des Anthropic Model Hardware Standard (MHS) ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Anthropic und dem Janelia Research Campus des HHMI. Die Idee entstand aus Beobachtungen des Neurowissenschaftlers Arca Basto in einem Experiment zur Gedächtnisbildung. Er entwarf dafür eine gemeinsame Schnittstelle zur Koordination rotierender Laserstrahlen, Mikroskope und Kameras. Aus dieser Idee entwickelte sich ein universelles Protokoll zur autonomen Durchführung wissenschaftlicher Experimente, das ähnlich wie das bestehende Anthropic Model Context Protocol (MCP) funktioniert.
Kernstück des Anthropic Model Hardware Standard (MHS) ist ein standardisierter Treiber, der Befehle zwischen dem Betriebssystem und dem angeschlossenen Gerät übersetzt. Der Treiber verwendet einen überschaubaren Satz grundlegender Befehle, wie z. B. das Lesen von Daten oder das Einstellen von Parametern, die jedes Gerät empfangen kann. Darüber hinaus umfasst das System Sicherheitsbeschränkungen und Gerätespezifikationen, die direkt in natürlichsprachlichen Texttags formuliert sind.
Der Standard wurde bereits in den Laboren von Genentech an einer automatisierten Proteinkonzentrationsanlage getestet, bei der das Anthropic-Claude-Modell eine Pipette, einen Roboterarm und ein Mikroplattenlesegerät steuerte. Nach anfänglichen Anpassungen des Flüssigkeitsflusses optimierte das Modell selbstständig Parameter für Wasser und Protein, die andernfalls eine manuelle Programmierung durch einen Experten erfordert hätten. Zu den Partnern, die den Anthropic Model Hardware Standard (MHS) derzeit testen, gehören Amazon Web Services (AWS). Umarmendes Gesicht und Raspberry Pi Ltd. Nach Abschluss der Vorschauphase plant Anthropic, den Standard als Open-Source-Lösung anzubieten.

















