Es ist nun offiziell: Nvidia steigt in den Laptop- und Desktop-Markt ein.
Nvidia bereitet sich auf einen der größten Schritte seiner Geschichte vor. Das Unternehmen, den die meisten Nutzer vor allem für seine Grafikkarten und KI-Chips kennen, wird diesen Herbst offiziell in den Markt für vollwertige Computerchips einsteigen. Intel, AMD, Apple, Qualcomm und die anderen Hersteller bekommen damit bald einen ernstzunehmenden Konkurrenten. Mit dem neuen RTX Spark-Chip, der nicht nur Grafikleistung bietet, sondern im Grunde eine komplett neue Computerplattform darstellt, wird der Markt ordentlich aufgemischt.
Der RTX Spark ist der erste Chip einer neuen Produktfamilie, die laut Hersteller die Leistung der leistungsstärksten, dünnen und leichten Windows-PCs erreichen oder sogar übertreffen soll. Nvidia beschreibt ihn als extrem effizienten PC-Chip, hat aber bisher keine konkreten Messwerte, Diagramme oder Vergleiche veröffentlicht, die diese Behauptungen untermauern würden.
Der RTX Spark ist im Prinzip dem GB10-Chip des DGX Spark-Systems sehr ähnlich, einem kleinen „Personal UI Supercomputer“, den Nvidia letztes Jahr vorgestellt hat. Diesmal handelt es sich jedoch nicht mehr um ein einzelnes Produkt, sondern um eine ganze Chipfamilie. Die leistungsstärkste Version soll über 20 Prozessorkerne, 6144 Grafikkerne und 128 GB einheitlichen LPDDR5X-Speicher verfügen. Preisgünstigere Versionen, darunter auch solche mit 16 GB Speicher, sollen später folgen.
Übergang zur Arm-Architektur
Wie die Chips von Apple und Qualcomm basiert auch die RTX Spark auf der Arm-Architektur. Das bedeutet, dass ältere Windows-Software, die für Intel- und AMD-x86-Prozessoren entwickelt wurde, über eine Emulationsschicht ausgeführt werden muss. Dies kann in manchen Fällen zu Leistungseinbußen führen, doch Microsoft verbessert Windows on Arm und sein Prism-Emulationssystem seit Jahren. Nvidia hingegen ist überzeugt, dass seine Grafik- und UI-Technologie das Nutzererlebnis auf ein neues Niveau heben kann.
Das Unternehmen behauptet, die RTX Spark könne 90 GB große 3D-Szenen verarbeiten, 12K-Videos bearbeiten oder das grafisch anspruchsvolle Spiel Indiana Jones and the Great Circle mit 100 Bildern pro Sekunde in 1440p flüssig darstellen. All dies soll in einem nur 14 Millimeter dünnen Laptop möglich sein, sogar ohne angeschlossenes Netzteil.

Lokale künstliche Intelligenz als zentraler Vorteil
Einer der Hauptvorteile der neuen Plattform soll der große gemeinsame Speicher sein. Mit bis zu 128 GB Speicher können RTX Spark Laptops und Desktop-Minicomputer UI-Agenten mit bis zu 120 Milliarden Parametern lokal ausführen. Dies ist ein Bereich von besonderem Interesse für Microsoft. Auf der Build-Konferenz werden voraussichtlich neue Sicherheits- und Isolationsmechanismen für Windows vorgestellt, die zusammen mit Nvidias OpenShell-Umgebung den sicheren lokalen Betrieb persönlicher Agenten unter Benutzerkontrolle ermöglichen.
Nvidia spricht sogar von einem neuen Computermodell, bei dem die Benutzererfahrung auf künstlicher Intelligenz basiert. Anstatt sich durch komplizierte Menüs und Benutzeroberflächen einzelner Anwendungen navigieren zu müssen, würde der Benutzer dem Computer einfach mitteilen, was er möchte.
Die vom Unternehmen angeführten Beispiele reichen von Content-Erstellern über Designer bis hin zu Programmierern. Ein E-Sport-Streamer könnte beispielsweise einen Computer anweisen, während einer Pause automatisch das Licht auszuschalten, das Mikrofon stummzuschalten und den Übertragungsmodus zu ändern. Ein Designer könnte aus einer Skizze ein Bild, dann ein 3D-Modell und schließlich ein UI-Video erstellen. Ein Softwareentwickler könnte einen Agenten einsetzen, der ein Projekt auf GitHub überwacht, Fehler erkennt und wiederkehrende Aufgaben selbstständig ausführt.
Mehr Privatsphäre und weniger Abhängigkeit von der Cloud
Nvidia betont, dass die lokale KI-Verarbeitung mehr Datenschutz und eine geringere Abhängigkeit von Cloud-Diensten und kostenpflichtigen Token für die Nutzung großer Modelle bedeutet. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, ob das Unternehmen tatsächlich einen Computer entwickelt hat, der als persönlicher digitaler Assistent der Zukunft fungieren kann, oder ob es sich um eine ambitionierte Vision handelt, deren Umsetzung noch einige Generationen dauern wird.

Erste bestätigte Laptops
An Partnern mangelt es nicht. Zu den ersten bestätigten Geräten gehören das Asus ProArt P14 und P16, das Dell XPS 16, das HP OmniBook X14 und Ultra 16, das Lenovo Yoga Pro 9N, das Microsoft Surface Laptop Ultra und das MSI Prestige N16 Flip AI. Microsoft soll die RTX Spark-Grafikkarte in das neue Surface Laptop Ultra integrieren, das das Unternehmen als das bisher leistungsstärkste Surface bezeichnet.
Doch das ist erst der Anfang. Nvidia gibt an, dass Partner bereits über 30 Laptops und mehr als 10 Desktop-PCs entwickeln. Zu den beteiligten Unternehmen gehören Acer, Asus, Dell, Gigabyte, HP, MSI und Lenovo. Die RTX Spark-Familie soll verschiedene Preisklassen abdecken, wobei die ersten Modelle eindeutig primär auf das Premiumsegment abzielen.
Auch die Softwareunterstützung spielt eine wichtige Rolle. Nvidia gibt an, dass Programme wie Blender, DaVinci Resolve, Maxon Cinema4D, Maxon Redshift, Topaz Photo, CapCut, Cubase, Bitwig Studio und Affinity by Canva bereits nativ auf Arm laufen. Adobe soll spezielle Optimierungen für Premiere und Photoshop vorbereitet haben, die auf den neuen Chip zugeschnitten sind.


Spiele werden auch für Windows on Arm verfügbar sein.
Auch im Gaming-Bereich zeichnet sich eine interessante Entwicklung ab. Microsoft hat Berichten zufolge angekündigt, dass Riot Games League of Legends und Valorant für Windows on Arm entwickelt, Krafton bereitet PUBG vor und Nvidia arbeitet mit Entwicklern zusammen, die Easy Anti-Cheat, BattlEye und Denuvo einsetzen. Dies ist von Bedeutung, da der Schutz vor Cheats oft eines der größten Hindernisse für das Spielen auf alternativen Betriebssystemen (Arm, Linux usw.) darstellt.
Preis und Akku sind noch unbekannt.
Trotz aller Ankündigungen bleiben viele Fragen offen. Nvidia und Microsoft haben die Preise der ersten Computer noch nicht bekannt gegeben. Auch zu Leistung und Akkulaufzeit gibt es keine konkreten Angaben. Nvidia verspricht zwar eine deutlich bessere Akkulaufzeit als bei früheren RTX-Laptops, räumt aber gleichzeitig ein, dass der Stromverbrauch des Chips bis zu 80 Watt betragen kann. Das bedeutet, dass selbst ein größerer Akku unter Volllast deutlich kürzer durchhalten könnte.
Vergleiche mit Intel, AMD, Apple und Qualcomm sind ebenfalls unklar. Nvidia liefert derzeit keine direkten Grafiken oder Testergebnisse. Das Unternehmen betont lediglich, dass die Grafikleistung in bestimmten Anwendungen etwa dem Niveau einer mobilen RTX 5070 entsprechen soll (eine sehr ambitionierte Aussage) und der Prozessor mit den leistungsstärksten Windows-Lösungen konkurrenzfähig sein soll.
RTX Spark könnte einen Wendepunkt für den PC-Markt darstellen, ähnlich wie Apples Umstieg auf die eigenen M1-Chips. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass Nvidia derzeit hauptsächlich Versprechungen macht. Sollten diese sich bewahrheiten, könnten Windows-Laptops den Beginn einer völlig neuen Geräteklasse markieren: schlanke, leistungsstarke Computer mit lokaler Benutzeroberfläche, starker Grafik und großem Arbeitsspeicher. Andernfalls bleibt RTX Spark ein interessantes Experiment.
























