Software
01.05.2026 10:00

Mit anderen teilen:

Aktie

Microsoft veröffentlicht endlich den Quellcode für DOS 1.0

Foto: Microsoft
Foto: Microsoft

Die Geschichte des Computers hätte ganz anders verlaufen können, wenn Microsoft von AT&T die Lizenz erhalten hätte, sein erstes Betriebssystem, die Unix-Distribution Xenix, auf IBMs x86-Hardware zu portieren. Stattdessen nahm Bill Gates 1980 eine Herausforderung von IBM an, die ein System für ihren kommenden Personalcomputer benötigte. Da Microsoft zu diesem Zeitpunkt keine eigene Lösung hatte, kaufte das Unternehmen 86-DOS, auch bekannt als QDOS (Quick and Dirty Operating System), von Seattle Computer Products für angeblich 100.000 US-Dollar.

Diese Investition erwies sich als entscheidend und legte den Grundstein für PC-DOS 1.0, das im August 1981 veröffentlicht wurde. Microsoft sicherte sich klugerweise die Rechte, das System unter dem Namen MS-DOS an andere Hardwarehersteller zu verkaufen, wodurch es den Markt für Jahrzehnte dominieren konnte. Die erste Version des Systems war nach heutigen Maßstäben extrem einfach. Sie lief auf 160-KB-Disketten, unterstützte keine Festplatten und kannte keine Unterverzeichnisse. Trotz dieser Einschränkungen war der Code flexibel genug, um sich zu einem Industriestandard zu entwickeln.

Bislang waren nur spätere Versionen wie MS-DOS 1.25 und 2.0 für Entwickler frei verfügbar. Mit der neuen Veröffentlichung auf GitHub hat Microsoft den gesamten Entwicklungspfad von Anfang an unter der liberalen MIT-Lizenz zugänglich gemacht. Der Quellcode ist somit nicht länger nur ein statisches Museumsstück, sondern ein lebendiger Entwicklungsbaum, den jeder klonen und studieren kann. Besonders wertvoll sind Tim Patersons erhaltene Arbeitsnotizen, die als eine Art historisches Änderungsjournal aus einer Zeit dienen, als Versionskontrollsysteme noch nicht existierten.

Für heutige Programmierer ist DOS 1.0 ein wertvolles Lernwerkzeug. Dank seiner geringen Größe ermöglicht es ein nahezu vollständiges Verständnis der gesamten Betriebssystemstruktur, was bei den heutigen komplexen Systemen unmöglich ist. Das Paket enthält den Kernel-Quellcode, Entwicklungs-Snapshots und wichtige Hilfsprogramme wie CHKDSK. Neben seinem pädagogischen Wert hilft diese Publikation Historikern, die Verwirrung um die Nummerierung früher Versionen aufzuklären, da ein offizielles Produkt namens „MS-DOS 1.0“ nie auf dem Markt erhältlich war. Dieser Blick in die Vergangenheit erinnert uns an den unglaublichen Fortschritt, den die Branche von Disketten bis hin zu den leistungsstarken Geräten in unseren heutigen Taschen gemacht hat.


Interessiert an mehr zu diesem Thema?
Microsoft

Verbindungen



Was lesen andere?