Modulare Bausteine aus Kunststoffabfällen für den schnellen Hausbau
Auch wenn der Bau eines Hauses in fünf Tagen wie ein leeres Werbeversprechen klingt, hat das kolumbianische Unternehmen Conceptos Plásticos das Gegenteil bewiesen. Ihr System aus modularen Blöcken aus Kunststoffabfällen ist längst in der Praxis angekommen, da sich die Elemente schnell und effizient zusammensetzen lassen und so Abfall in Wände, Klassenzimmer und Unterkünfte verwandeln. Obwohl die Technologie der Öffentlichkeit oft als völlig neuer Bautrend präsentiert wird, zeigt die Geschichte etwas anderes. Das Unternehmen wurde 2010 mit der Vision gegründet, Kunststoffabfälle in einen nachhaltigen und langlebigen Baustoff zu verwandeln.
Das System funktioniert, indem gesammelter Kunststoff in Bausteine umgewandelt wird. Diese Teile lassen sich einfach zusammenstecken, ähnlich wie die beliebten Bausteine von Kindern. Das Material ist wasserdicht, langlebig, isolierend und windbeständig. Da der Transport von schwerem Zement, herkömmlichen Ziegeln und Spezialwerkzeugen entfällt, werden die Arbeitskosten erheblich reduziert und der Bauprozess beschleunigt.
Die Baugeschwindigkeit ist entscheidend, insbesondere in Gemeinden, wo das Warten auf ein sicheres Dach über dem Kopf ein ernstes Risiko darstellen kann. Ein kleines Haus, eine Unterkunft oder ein Klassenzimmer lassen sich schnell, mit weniger Arbeitskräften und ohne den üblichen Baulärm, Staub und Bauschutt errichten.
Das Projekt hat auch einen enormen ökologischen Wert. Die Stadt Abidjan in der Elfenbeinküste beispielsweise produziert täglich über 280 Tonnen Plastikmüll, von dem nur etwa 5 Prozent recycelt werden. Die von UNICEF und Conceptos Plásticos unterstützte Anlage soll jährlich bis zu 9.600 Tonnen Plastik recyceln, die sonst auf Mülldeponien oder in Abwasserkanälen landen würden. Laut UNICEF sind die Plastikziegel 40 Prozent günstiger und 20 Prozent leichter als herkömmliche Materialien.
Trotz der offensichtlichen Vorteile und des niedrigeren Preises bedeutet dies nicht, dass das System überall problemlos einsetzbar ist. Lokale Bauvorschriften, Genehmigungen, Brandschutzbestimmungen und Versicherungsbedingungen entscheiden darüber, ob ein solches Haus überhaupt genehmigt wird oder nur auf dem Papier existiert. Gute Belüftung, sichere Elektroinstallationen und Schalldämmung sind jedoch weiterhin entscheidend für ein komfortables Wohnen, denn letztendlich sollte ein Haus ein warmes Zuhause bieten und nicht nur eine technische Innovation.
In der Elfenbeinküste funktioniert diese Innovation zum Glück. UNICEF hat mit diesem System bereits 262 Klassenzimmer gebaut, dabei rund 1.441 Tonnen Plastik recycelt und indirekt 13.100 Kindern eine Ausbildung ermöglicht.




















