Das Laden von Elektroautos wird heute in Sekunden gemessen, nicht mehr in Minuten.
Der Wettlauf um die Entwicklung von Batterien für Elektrofahrzeuge hat eine neue Ära eingeläutet. Chinesische Hersteller konkurrieren nicht mehr darum, wer eine Batterie in weniger als einer halben Stunde laden kann, sondern jede Sekunde zählt. Lynk & Co., eine Tochtergesellschaft der Geely Group, hat daher eine Fahrzeugreihe mit einer „Golden Brick“-Batterie vorgestellt, die es ermöglicht, die Kapazität in nur 4 Minuten und 22 Sekunden von 10 auf 70 Prozent zu erhöhen. Der Konkurrent BYD benötigt mit seiner „Blade 2.0“-Technologie etwa 5 Minuten, um denselben Ladezustand zu erreichen.
Doch die Innovationen gehen weiter. Der weltgrößte Batteriehersteller CATL hat eine Batterie für leichte Nutzfahrzeuge vorgestellt, die sich in unglaublichen 3 Minuten und 44 Sekunden von 10 auf 80 Prozent aufladen lässt. Obwohl diese Batterie noch nicht in einem Serienfahrzeug im Straßenverkehr verbaut ist, befindet sie sich als fertiges Produkt in der Praxiserprobung. FAW hat eine Batterie angekündigt, die dieselbe Reichweite in 3 Minuten und 41 Sekunden erreicht. Der gemeinsame Nenner all dieser Ankündigungen ist klar: China misst Ladezeiten nun in Sekunden.
Diese Schnellladetechnologie bietet enorme Vorteile. Neben dem Komfort für die Fahrer ermöglicht die extrem hohe Ladeleistung einen höheren Fahrzeugdurchsatz an jeder Ladestation. Dadurch reduziert sich der Bedarf an einer großen Anzahl von Ladepunkten und -flächen, was insbesondere in dicht besiedelten Stadtgebieten entscheidend ist, wo viele keine Möglichkeit haben, zu Hause zu laden.
Während China neue Maßstäbe setzt, sieht die Situation anderswo auf der Welt ganz anders aus. In den USA sind die schnellsten Fahrzeuge jene, die auf der Hyundai/Kia E-GMP-Plattform basieren und für eine Ladung von 10 auf 80 Prozent etwa 18 Minuten benötigen. Der kommende Mercedes-AMG GT EV soll dies an einem 600-kW-Schnelllader in rund 11 Minuten schaffen, ist aber ein prestigeträchtiges Modell mit einem Preis von weit über 100.000 Euro, während chinesische Fahrzeuge mit Schnellladefunktion bereits für unter 25.000 Euro erhältlich sind.
Neben den Batterien selbst ist die Infrastruktur entscheidend. Chinesische Unternehmen wie BYD, Geely und Dongfeng installieren bereits zügig Ladestationen mit einer Kapazität von bis zu 1.500 kW. BYD plant, bis Ende des Jahres 20.000 solcher Stationen zu installieren. In den USA sind 350-kW-Ladestationen noch selten, und der Bau schreitet aufgrund bürokratischer und politischer Hürden sowie strenger Anforderungen an die Herkunft der Komponenten nur langsam voran. Dennoch expandiert BYD bereits nach Europa und wird seine Schnellladestationen bald auch auf dem kanadischen Markt einführen.























