Chinas erstes windbetriebenes Unterwasser-Rechenzentrum geht in Betrieb
Gut sieben Monate nach Abschluss der ersten Phase eines ambitionierten Projekts haben chinesische Ingenieure das weltweit erste Unterwasser-Rechenzentrum offiziell in Betrieb genommen, das direkt mit Offshore-Windkraft betrieben wird. Der innovative Technologiekomplex, der sich auf dem Meeresgrund vor der Küste Shanghais in der Sonderzone Linhang befindet, nahm Ende Mai seinen Betrieb auf. Das Projekt bietet enorme Vorteile gegenüber landbasierten Anlagen, da es kein Frischwasser benötigt und den Bedarf an wertvoller Landnutzung um mehr als 90 Prozent reduziert.
Das Rechenzentrum wurde von einer Tochtergesellschaft von China Communications Construction errichtet. Die Unterwasserstruktur nutzt die umgebende Meeresumgebung als natürliche Wärmesenke, die über einen geschlossenen Kühlkreislauf abgeführt wird. Herkömmliche Rechenzentren an Land setzen aufgrund des geringeren Gehalts an Salzen, Mineralien und biologischen Verunreinigungen meist auf Süßwasser. Dieses verhindert Korrosion der Rohrleitungen und gewährleistet eine hohe Kühlleistung. Das chinesische Unterwasser-Rechenzentrum löst diese Herausforderungen mit einem speziellen geschlossenen System aus Kupferrohr-Wärmetauschern, das den Stromverbrauch um 22,8 Prozent reduziert. Zusätzlich erzeugen Offshore-Windparks bis zu 95 Prozent des gesamten Strombedarfs der Anlage für ihre 192 Serverschränke, die sich über vier Etagen erstrecken.
Professor Li Zhen von der Tsinghua-Universität erklärte gegenüber den Medien, dass der Stromverbrauch für die Kühlung in einer solchen Unterwasserumgebung nur ein Zehntel des Gesamtenergieverbrauchs des gesamten Zentrums ausmacht. Würden die Systeme dieser Größenordnung unter Wasser verlegt, ließe sich der Energieverbrauch für die Kühlung auf etwa 30 Milliarden kW reduzieren, was jährliche Einsparungen von rund 50 Milliarden kWh Strom ermöglichen würde.
Das Rechenzentrum arbeitet derzeit mit 2,3 MW, die geplante Endkapazität liegt jedoch bei bis zu 24 MW, was für die Versorgung von 20.000 Haushalten ausreichen würde. Diese große Reserve ermöglicht zukünftige, unterbrechungsfreie Hardware-Upgrades und den Ausbau der Rechenkapazität. Trotz der offensichtlichen Vorteile ist Unterwasser-Computing im kommerziellen Maßstab noch weitgehend unerforscht.
Es bestehen weiterhin Fragen zur Langlebigkeit der Ausrüstung und den ökologischen Auswirkungen der kontinuierlichen Wärmeabgabe an die lokale Meeresumwelt. Während einige Technologieunternehmen aufgrund der steigenden Nachfrage bereits die Verlagerung von Daten ins Weltall erwägen, wird dieses chinesische Projekt als wichtiger Test im Zeitalter der künstlichen Intelligenz dienen.
























